Regionales Kulturmanagement
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  • “Gemeindeoffensive”

    Posted on Januar 5th, 2011 Michaela Zingerle No comments

    Interviews und Gespräche mit rund 30 BürgermeisterInnen der Region „Oststeirisches Kernland“:

    Mittels Fragebögen und  Interviews wurde eruiert welche KünstlerInnen in der jeweiligen Gemeinde leben, die Möglichkeiten der Gemeinden Kunst und Kultur sichtbar zu machen erhoben, das Interesse und das Engagement am Durchführen von Kulturveranstaltungen besprochen sowie budgetäre Möglichkeiten erfragt.

    Erkenntnisse aus diesen Gesprächen sind:

    Während arrivierte Gegenwarts- und AvantgardekünstlerInnen in den Gemeinden bzw. den BürgermeisterInnen  bekannt sind und deren künstlerische Tätigkeit auch (zum Teil) geschätzt wird, wird viel Aufmerksamkeit den sogenannten AmateurkünstlerInnen, HobbykünstlerInnen bzw. Voluntary Arts KünstlerInnen  gegeben.

    Zitate von  Bürgermeistern: 
    „Wer in seiner spärlichen Freizeit kreativ ist und schöne Dinge herstellt, der wird Krisenzeiten besser meistern, als jemand der passiv konsumiert.“
    „Unser HobbykünstlerInnen sind dermaßen im Gemeindeleben  verankert, dass wir sie gerne aus dem Schattendasein herausführen würden.“
    „Ich bin immer wieder stolz, welche kreativen Potentiale die EinwohnerInnen meiner Gemeinde haben und welches Potential da ist.“

     Vorschläge:

    1.)    Eigene Veranstaltungen für AmateurkünstlerInnen des Oststeirischen Kernlandes  sind wünschenswert und man könne sich durchaus  vorstellen für organisatorische Maßnahmen wie Infrastruktur, Programmfolder, … finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.

    KünstlerInnen aus Ihrem Schattendasein zu führen und wertzuschätzen, aber auch in  Zusammenarbeit mit GegenwartskünstlerInnen (sofern keine Berührungsängste vorhanden) wird gewünscht. 

    Eine Veranstaltung könnte in der Naturparkarena  Pöllauberg und eine Veranstaltung im Großraum Pischelsdorf stattfinden. Diese Veranstaltungen sollten von Styrian Summer Art organisatorisch begleitet werden. Zitat eines Bürgermeisters der Region: „Vor Jahren hatten wir in der Kleinregion die Ausstellung ‚Zeig was du kannst – Generationen bewegen‘. Davon sprechen wir heute noch.“

    2.)    Dazu möchte man einen Aufruf in ihren Gemeindenachrichten starten, um möglichst viele kreative und künstlerisch tätige Menschen zu erfassen.

    3.)    Nach der Kontaktaufnahme seitens  Styrian Summer Art werden die KünstlerInnen in einer Kulturlandkarte bzw. Kulturdatenbank erfasst und  nach Möglichkeit mit weiteren Kulturdatenbanken vernetzt  (kulturnavi, komm:st, …)

    4.)    Gerne greift man die Idee des Kulturfrühstücks oder Kulturstammtisches auf, um in den Kleinregionen die KünstlerInnen und Künstler untereinander bekanntzumachen,  Erfahrungs­austausch anzuregen und das kulturelle Leben des Oststeirischen Kernlandes zu bereichern, indem großräumigere Vernetzungstreffen genutzt werden können.

    5.)    Geplant ist Porträts von einheimischen KünstlerInnen  bzw. Kulturinstitutionen in den Gemeindenachrichten zu veröffentlichen.

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  • tage in bosnien

    Posted on November 2nd, 2010 der krusche No comments

    (zu besuch bei unseren „alten nachbarn“)

    ich war eben für einige tage in bosnien-hercegovina, genauer in der „republika srpska“. diese kleine präzisierung beinhaltet einen hinweis darauf, daß die bosnien-kriege der 1990er-jahre zu einer deprimierenden, vielschichtigen (inneren) blockade der staatsbildung bosniens geführt haben.

    kleiner einschub: „nation building“ kann ja heute nicht mehr wie im 19. jahrhundert ablaufen.

    drei ethnien dominieren die bevölkerung des jungen staates. bosniakische, kroatische und serbische formationen der lokalen, regionalen und nationalen politik stehen einander in unzähligen offenen fragen gegenseitig im wege. (ich nehme an, die diaspora jeder der ehtnien redet dabei auch mit.)

    weiters gehören zu all dem vielfältige kriegstraumata, wobei einerseits das gegenseitige aufzählen von opfern sinnlos und aussichtslos ist, andererseits haben vor allem aggressionen und gewalttaten einer serbischen soldateska fälle wie srebrenica, omarksa, kozarac etc. geschaffen. das kann nicht einfach übergangen werden.

    wer als reisender in das land kommt und sich die anstehenden probleme auch nur aus der perspektive des zaungastes vor augen führt, verstummt schlagartig angesichts des verfahrenen eindrucks, den die summe der probleme macht.

    – das werk “20.000 — trauma jednog zlocina” von lana cmajcanin und igor grubic bei der “spaport bienniale” 2010 in banja luka” –

    andrerseits bleibt zu bedenken: warum und wie sollen sich menschen selbst permanent als wandelnde DEFIZITE verstehen? weder schuldgefühle noch scham sind gute fundamente für eine identität, die überwältigenden problemen standhalten und zu lösungen finden soll.

    wir haben ferner aus dem zweiten weltkrieg und aus anderen kriegen, welche opfer hervorgebracht haben und täter in so manchen schatten treten ließen, gehört: wer sich selbst nur mehr als opfer verstehen kann, wird daraus keine kraft beziehen, um die eigene überwältigung wenigstens in der phase posttraumatischer lebenssituationen zu „bezähmen“, ihr viel von jener kraft zu entreißen, die das leben derer, welche überlebt haben, quasi von innen bedroht.

    ich bin nun erneut überlebenden begegnte. in banja luka trafen menschen zusammen, die der „tötungsmaschinerie“ von omarska entkommen sind. sie waren teil der gesprächsrunden jener gruppe „spomenik“, die von küstlerin milica tomic initiiert wurde.


    – künstlerin milica tomic und kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov” bei einem arbeitstreffen der gruppe “spomenik” –

    spomenik ist das serbokroatische wort für „denkmal“. eine begriffliche entsprechung für „mahnmal“, wie wir sie in österreich kennen, gibt es in jener sprache nicht, die eben in DREI sprachen auseinandergefallen ist, denn das bosniakische, das kroatische und das serbische wollen neuerdings über allerhand details von einander unterschieden werden.

    das ist noch einer der leichtesten gründe, warum sich wohl die verständigung unter diesen ethnien da und dort ganz erheblich an barrieren reibt. kann der ort eines verbrechens zum denkmal werden? was sind die wünsche und erwartungen von opfern und deren angehörigen? was bedeutet es für einen bestimmten ort oder landstrich? was hat denn europa allenfalls damit zu tun? oder ist das sache der südslawischen völker, die sich da eben ihrer jüngsten vergangenheit stellen müssen?

    fragen über fragen … (siehe dazu auch meinen eintrag #1660 in „krusches logbuch“!)

    ["Grupa Spomenik"]
    ["SpaPort Biennial"]
    ["Center for Visual Communications Protok"]

    p.s.:

    und was hat das mit “kunst ost” zu tun? vorerst nur am rande. wir haben in diesem projekt ja damit begonnen, jeweils im herbst ein kunstprojekt von internationaler relevanz in die “energie-region” zu bringen, was dann anlaß ist, der basis von “kunst ost” vorträge und “labor-übungen” anzubieten.

    es geht also darum, anlässe und gelegenheiten zu schaffen, damit sich lokale und regionale kunstschaffende mit personen und methoden aus anderen ländern näher vertraut machen können.

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  • modi & möglichkeiten

    Posted on Oktober 25th, 2010 der krusche 6 comments

    das projekt „kunst ost“ ist in der oststeiermark konstituiert und in der „energie-region weiz-gleisdorf“ als LEADER-kulturprojekt eingerichtet. das EU-programm LEADER war ursprünglich ganz anderen aspekten der entwicklung im „ländlichen raum“ gewidmet. der landwirtschaftliche schwerpunkt ist evident.

    eine gewichtung auf kultur, noch dazu mit der betonung von gegenwartskunst, ist steirische eigenart und meines wissens in keinem anderen bundesland üblich. ich hab das erste derartige projekt realisiert. „kunst ost“ in seiner heutigen form ist das folgeprojekt, auf das mein startprojekt angelegt war. in anderen regionen sind inzwischen auch diverse LEADER-kulturprojekte entstanden.

    die zugangsschwellen zu LEADER-geldern sind extrem hoch. die verpflichtungserklärungen und vertragsklauseln, um eine derartige kofinanzierung zu erreichen, gleichen einem faustischen pakt. unterlagen müssen zwei jahrzehnte aufbewahrt werden. vertragspartner sind verpflichtet, sich eigenständig über mögliche regel-änderungen und novellen zu informieren. budgets können noch nach vilen jahren rückwirkend aberkannt und zurückverlangt werden etc. etc.

    das stichwort KOfinanzierung ist wichtig. darunter versteht man, daß projekte nicht mit subventionen ausfinanziert werden. nur wer die basisfinanzierung selbst schafft, erhält im nachhinein die vereinbarte zusatzfinanzierung. um in den genuß dieser mittel zu kommen, ist eine umfassende VORfinanzierung bedingung.

    das bedeutet:
    +) ich stelle erst einmal das geld, das ich brauche, zur gänze auf.
    +) ich verwende es widmungsgerecht.
    +) ich reiche die rechnungen plus kontoauszüge beim land ein, um den korrekten geldfluß zu belegen. die zuständige landesstelle prüft.
    +) die unerlagen gehen weiter nach wien, wo die AMA als zuständige instanz prüft.
    +) haben alle prüfinstanzen zugestimmt, wird mir der zugesagte TEILbetrag REFUNDIERT.
    +) wenn von meinem einreichen bis zur refundierung ein halbes jahr vergeht, hatte ich glück und bin flott bedient worden.
    +) das bedeutet freilich, vom beschaffen des geldes bis zur refundierung des TEILbetrages vergeht weit mehr zeit als das halbe jahr.

    es muß also klar sein, daß jede art der veranstaltungspraxis in diesem zusammenhang an den konzepten und modalitäten des “kernprojektes” andockt. das bedeutet, “kunst ost” ist nicht gemacht, um andere projekte zu finanzieren, sondern um im rahmen der eigenen regeln (vertragsbedingungen) KOOPERATIONEN zu realisieren.

    der LABOR-charakter von “kunst ost” wurde schon betont. die kräfte im KERNbereich des projektes werden gena dafür bezahlt. entwicklungs- und erprobungsarbeit. es geht um modi & möglichkeiten, in der aktuellen situation abseits des landeszentrums der GEGENWARTSKUNST den weg zu besseren bedingungen zu ebnen.

    wo immer menschen budgets wittern, bricht das reich der spekulationen an. und es kommt vor, daß gut situierte angestellte einer wohlhabenden kommune meinen, einige hunderttausend euro in einem mehrjährigen prozeß seien viel oder gar zu viel geld für die arbeit mehrerer freelancers.

    wo mit solchen geldern honorare bezahlt werden, sind das natürlich bruttobeträge. angestellte oder ex-dienstnehmer übersehen meist, was freelancer wissen.

    wenn ich eine rechnung über tausend euro schreibe und den tausender kassiere, gehen davon vierzig prozent an sozialversicherung und finanzamt. (600 für mich, 400 für die behörde.) da habe ich noch keine bürokosten abgedeckt, keine telefonate, keine fahrtspesen, nichts weiter.

    daraus folgt messerscharf: wenn ich übers ganze jahr zum beispiel 24.000 euro eingenommen habe, bleiben mir keine tausend pro monat. es gibt dabei natürlich auch kein urlaubs- und weihnachtsgeld, keinen bezahlten urlaub. krankenstand vermeide ich besser, denn wenn mein laden steht, stockt der geldfluß.

    ich muß also wenigstens für 30.000 euro im jahr rechnungen schreiben, um nach steuern und sozialversicherung, nach büroausgaben und sonstigen kosten des laufenden betriebes ein einkommen zu haben, das ETWAS über der amtlich festgelegten armutsgrenze liegt.

    nein, ich beklage mich nicht. ich will bloß daran erinneren, daß wir aus recht unterschiedlichen positionen über geld reden; je nachdem, welchen status jemand hat.

    [kunst ost aktuell]

    [Das erste Treffen im Jahr 2007]

    [Kontinuitäten]

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  • kollektive kreativität

    Posted on Oktober 24th, 2010 der krusche No comments

    “Welche Strategien verfolgen Kollektive im öffentlichen Raum? Welche alternativen Formen von ‘Geselligkeit’ werden da erzeugt?” fragte kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov bei ihrem vortrag “Kollektive Kreativität und das Kollektiv in der zeitgenössischen Kunst”. [link]

    – kuratorin mirjana peitler-selakov –

    weiter: “Auf welche Weise besetzen und verändern Kollektive das System und die Bedingungen von künstlerischer Produktion und Repräsentation? Wie wirken sie auf die bestehende soziale Ordnung ein? Existiert die kollektive Kreativität nur als ein nie abgeschlossener Prozess, in dem Schaffenskraft als Nebeneffekt der emanzipatorischen Kräfte eines Kollektivs wirkt?”

    dieser vortrag, auch ein beitrag zur “konferenz in permanenz”, knüpfte an einige “labor-übungen” an, die “kunst ost” anläßlich des gleisdorfer projektes der “kollektiven aktionen” aus moskau (gegründet von andrej monastyrskij) angeboten hat.

    der hintergrund: von 2007 bis 2010 gastierten in gleisdorf einige künstlerkollektive im rahmen lokaler beiträge zum festival „steirischer herbst“. diese ereignisreihe bezog sich auf die schon 2003 eingeführte “strecke” in der region, eine art permanentes kunstfeld in der oststeiermark.

    aus eben diesen zusammenhängen kam es auch vor jahren zum ersten treffen regionaler kulturschaffender, woraus sich schließlich in der folge “kunst ost” entwickelt hat.

    peitler-selakov in ihrem vortrag: “Es geht dabei um die emanzipatorischen Aspekte kollektiver Arbeit, bei der gemeinschaftliche Kreativität nicht nur eine spezielle Form ist, sich dem herrschenden Kunstbetrieb und dem Ruf nach Spezialisierung zu widersetzen. Sie ist auch eine produktive und performative Kritik an gesellschaftlichen Institutionen und an der Politik.”

    erstaunlicher weise wurde genau das bei “kunst ost” nicht von der basis her forciert, sondern von der verwaltung aufgegriffen (abteilung 9 und 16 des landes steiermark) und von der politik mit rückhalt ausgestattet.

    – von links: sandra kocuvan (kulturabteilung des landes), kuratorin mirjana peitler selakov und bürgermeister christoph stark –

    sandra kocuvan für die “neuner” und gerald gigler für die “sechzehner” haben sich intensiv mit unseren ansätzen befaßt. gleisdorfs bürgermeister war als politiker der region stets auf dem laufenden und hat den prozeß gefördert. auf der landesebene haben sich kurt flecker als vormaliger kulturfreferent und bettina vollath als aktuelle kulturreferentin darauf eingelassen.

    – gerald gigler (land steiermark, links) und martin krusche (“kunst ost”) –

    mirjana peitler-selakov in ihrem vortrag: “Entfernt man sich von Vorstellungen, nach denen das Kollektiv als ein homogener, vereinter Körper verstanden wird, in dem Singularitäten in eine anonyme Masse hineingezogen werden, dann schreibt kollektive Kreativität sich in ein Feld aufregender, kreativer Interaktion und mehrseitig ausgerichteter und unberechenbarer Gruppendynamik ein.”

    eigentlich eine anspruchsvolle bedingung, zu deren kultureller praxis wir noch einiges herauszufinden haben …

    [kunst ost]

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  • was wurde aus “kunst ost”?

    Posted on Oktober 20th, 2010 der krusche 3 comments

    das erste arbeitstreffen, aus dem schließlich “kunst ost” hervorging, fand am 6. märz 2007 in gleisdorf statt. die bisherige verlaufsgeschichte ist im web hier skizziert: [link]

    “kunst ost” hat sich sehr verändert. manche, die der entwicklung von anfang an gefolgt sind, vermissen die “alte” plenar-situation. dabei wird freilich übersehen, daß es zu einem grundsätzlichen bruch gekommen ist. wo ein PLENUM die vorhaben diskutiert und festlegt, die UMSETZUNGSARBEIT und die verantwortung dafür aber nur einigen wenigen überläßt, ist ein kurzes ablaufdatum festgeschrieben.

    anders ausgerdrückt: wozu sollten einige wenige die budgetäre und organisatorische verantwortung für eine stattliche bühne tragen, auf welcher der ganze rest sich produziert? diese aufgabe könnte bestenfalls kommunalen kulturreferaten zufallen. die haben aber klar signalisiert, daß so ein modus nicht in betracht kommt.

    wir haben in den vergangenen jahren einige kunstschaffende erlebt, die das bisherige geschehen ausführlich kritisiert haben und ratschläge gaben, wie es besser zu machen sei. diese leute sind aber jeden beleg schuldig geblieben, daß sie selbst es besser machen könnten, sind auch eigenständig mit keinerlei initiative in der region präsent, die einem größeren ganzen zugute käme.


    – hertha tinchon und irmgard hierzer bei abbau-arbeiten der installation “the track: virtuosen der täuschung” –

    was ist statt dessen geschehen? “kunst ost” hat sich professionalsiert. es gibt ein projekt, ein “kultur-labor”, das auf vier jahre laufzeit angelegt ist, also auch ein absehbares ende hat; wie das bei PROJEKTEN üblich ist.

    dieses projekt wird von einem verein getragen, der einen aufrechten vertrag mit der kulturabteilung des landes steiermark hat. das bedeutet unter anderem, “kunst ost” ist weder eine art regionales kulturreferat, noch eine geldbeschaffungseinrichtung für kreative oder für kommunen der oststeiermark.

    “kunst ost” ist als projekt angelegt, innovative modi und strategien für einen kunstbegtrieb abseits des landeszentrums zu entwickeln und zu erproben. das bedeutet auch, wege und verfahrensweisen, die sich bewähren, können, ja sollten von anderen kreisen übernommen und ihrerseits auf tauglichkeit geprüft werden.

    ich habe festgstellt, daß oft nur gehört wird, was den eigenen interessen dient. darum noch einmal ganz ausdrücklich: „kunst ost“ ist als „labor“ angelegt, als „versuchsanordnung“, um für das kulturgeschehen jenseits des landeszentrums modi zu entwickeln und zu erproben, die selbst unter budgetär erschwerten situationen positive entwicklungen ermöglichen.

    dabei ist übrigens der fokus vom land steiermark her auf das thema GEGENWARTSKUNST gerichtet, wir haben allerdings ein setup erarbeitet, das VIER GENRES [link] betont, deren zusammenwirken jene praktische arbeit fördert, in der die gegenwartskunst gewinnt. diese vier genres sind: alltagskultur, kunsthandwerk, voluntary arts und gegenwartskunst.

    ich zitiere aus unserem förderungsvertrag mit dem land steiermark den punkt „4. Projektinhalt“, die punkte davor handeln nicht von inhalten, sondern von den „geschäftsgrundlagen“. (1. Förderungsgrundlage, 2. Förderungsbetrag und Förderungsgegenstand, 3. Abrechnung und Auszahlung)

    der punkt „4. Projektinhalt“ lautet:
    >>Arbeitstreffen, Workshops, Diskurse und Vorträge (Inputs von außen) als ein „Grundgerüst
    der Kontinuität“. Informations- und Kommunikationsarbeit unter den verschiedenen AkteurInnen und Initiativen der Region. Konzeptarbeit, um Verbindendes zu schaffen und innovative Schritte einzuführen. „Laborarbeit“ und Reflexionsarbeit, um die praktischen Schritte mit neuen Optionen zu unterfüttern. Dokumentationsarbeit, um den Prozess überschaubar zu machen und auswerten zu können. Einführung von Referenzprojekten, um zu neuen Verfahrensweisen zu ermutigen. Medienarbeit (Print, Web, Radio, Video), um einerseits die diesbezüglichen Kompetenzen aller zu steigern, um andererseits die Sichtbarkeit aller zu erhöhen.<<

    das bedeutet praktisch, wir arbeiten nicht FÜR kulturschaffende der region, sondern ausschließlich MIT ihnen; und zwar mit jenen, die ihrerseits interesse an einer zusammenarbeit rund um solche aufgabenstellungen haben, sofern sie sich davon einen erfahrungs- und erkenntnisgewinn versprechen dürfen.

    zu diesen immateriellen profiten, die sich VIELLEICHT in einer kooperation mit uns einstellen, kommen gelegentlich auch materielle vorteile, weil wir für gemeinsame vorhaben ressourcen akquirieren, die wir nach maßgabe unserer möglichkeiten mit anderen teilen.

    aber ganz wesentlich ist unserer arbeit der erforschung von neuen möglichkeiten gewidmet. dem ist unsere arbeit gewidmet, die in einem gewissen ausmaß auch bezahlt wird. davon handelt das LEADER-kulturprojekt „kunst ost“.

    [kunst ost]

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  • aufbrüche & umbrüche

    Posted on Oktober 19th, 2010 der krusche 3 comments

    (kulturelle entwicklungen in der oststeiermark)

    das kommende “april-festival” von “kunst ost” überschreitet eine trennlinie zu den vorherigen gemeinschafts-veranstaltungen der jahre 2007 bis 2010. es basiert auf einer völligh neuen konzeption und wird vom “kernteam” des vereines ausgerichtet.

    bisher war das “april-festival” ein rein künstlerisches ereignis, das zeitgleich an mehreren orten realisiert wurde. nun planen wir ein mehrsparten-ereignis, das den von uns bevorzugten VIER GENRES [link] eine bühne schaffen wird.

    das heißt, die gegenwartskunst und die voluntary arts [link] machen nur eines der module aus. wir haben auch alltagskultur und kunsthandwerk als relevante genres betont, durch welche verschiedene kunstbereiche ein “kontextfeld” erhalten, das verbindungen mit dem alltagsleben von menschen in der region unkompliziert möglich macht.

    – das kunst ost-team bei der programm-arbeit –

    erst im zusammenwirken dieser genres erwarten wir das gedeihen von “möglichkeitsräumen”, in denen auch die gegenwartskunst an boden gewinnt.

    unsere bisherigen projekt-erfahrungen belegen, daß KUNST, also gegenwartskunst, am wenigstens dringlichkeit unter den bürgermeisterinnen und bürgermeistern der region hat. es wird da zwar dem kulturbereich grundsätzliche relevanz zugemessen und es werden auch disbezügliche anliegen aus der bevölkerung aufgegriffen, doch das sind gesamt eher schwache signale für eine aktuelle entwicklung des kulturfeldes.

    die bezirkshauptstadt weiz ist heuer mit einigen kulturellen neuerungen in erscheinung getreten. die “AKUnale” [link] soll alljährlich eine schau dessen sein, was kreative der region leisten. diese veranstaltung ist allerdings auf einen ort beschränkt, das “kunsthausviertel” in weiz, verfolgt bisher auch weder eine bestimmte themenstellung, noch eine klar erkennbare kulturpolitische option.

    bemerkenswert ist der “kunstzug” zwischen weiz und birkfeld, bei dem in der präsentation von künstlerischen werken offenbar spezielle auswahlkriterien zugrunde gelegt wurden.

    der “kunstzug” führte heuer zu einem weiteren, groß angelegten “künstlergespräch” in der benachbarten “LEADR-region”, dem “joglland”. für eine mögliche wirkung auf das kulturgeschehen, wie es im LEADER-kulturbereich vorgesehen ist, fehlt da bisher eine öffentlich dokumentierte auswertung dieser veranstaltung.

    ich meine das im sinne von: was wurde als nötig und sinnvoll erfahren, welche kulturpolitischen agenda ergeben sich daraus und von wem soll das in welche form der praxis überführt werden?

    es ist stets neu interessant zu betrachten, in wessen dienst die leute stehen, von denen kulturelle akzente gesetzt oder gar institutionalisiert werden.

    die “AKUnale” basiert zwar auf einem verein, ist faktisch aber kein “bottom up”- sondern “top down”-projekt. auffallend ist dabei die zetrale rolle des weizer stadtangestellten hubert brandstätter, hand in hand mit dem weizer kulturbeauftragten georg köhler, der heuer von den aufgaben der verwaltung des weizer kunsthauses entbunden wurde, um sich verstärkt der programmarbeit widmen zu können.

    bürgermeister christoph stark, derzeit obmann der “energie-region weiz-gleisdorf”, hat mich informiert, daß die region sich derzeit bemühe, das bewährte musik-projekt im schloß stadl, nahe st. ruprecht, als LEADER-kulturprojekt zu realisieren. LEADER-managerin iris absenger hat schon vor einer weile wissen lassen, daß man sich in weiz bemüht, ein LEADER-kulturprojekt zu realisieren.

    damit ergibt sich in summe ein interessantes spektrum von bemühungen, das kulturfeld in der region zu stärken. das projekt von schloß stadl ist der “leichten muse” gewidmet: [link] im joglland gibt es schon das mehrjährig erfolgreiche klassik-projekt “intermusica”, das seinen schwerpunkt in der blasmusik hat: [link] dazu kam dort inzwischen ein regionales LEADER-kulturprojekt, die „kunstzone joglland“: [link]

    weiz engagiert sich mit der “AKUnale” für eine gesamtschau regionaler kreativer, schwerpunkt „voluntary arts“. birkfeld entwickelt gerade sein praxismodell, beut eben eine künstlerdatenbank auf.

    – bei der AKUNale in weiz –

    wir haben, in wachsender kooperation mit “kultur.at” einerseits diesen klaren fokus auf gegenwartskunst in arbeit, andrerseits das schon erwähnte mehrsparten-festival, in dem die sinnvolle VERBINDUNG der verschiedenen genres erprobt und ausgelotet werden soll.

    das sind also recht unterschiedliche zugänge und praxis-modi. ich bin neugierig, was zum ende des jahres sichtbar wird. dann sollte übrigens unser kommendes „april-festival“ schon sehr detailliert entworfen sein.

    [das april-festival 2011]

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  • auf der strecke

    Posted on Oktober 18th, 2010 der krusche No comments

    in den 1970er-jahren gründete andrej monastyrskij in moskau die gruppe “kollektive aktionen”. es gab bisher relativ wenige auftritte dieser formation, vor allem im westen ist sie immer noch mäßig bekannt. dennoch zählt der “moskauer konzeptualismus” inzwischen zur weltspitze der konzept-kunst.

    das ist eigenlich keine rang-position innerhalb des uns vertrauten kunstbetriebes mit seinen vor allem auch ökonomischen kriterien. das ist ebensowenig ein produkt der arbeit des feuilletons, wo dessen deutungshoheit oft zu kuriosen rankings führt.

    hier ist einfach über dauer, kohärenz und ein unglaubliches arbeitspensum aller beteiligten ein künstlerischer rang konstituiert worden, der uns schon eine weile beschäftigt.

    ich war vor jahren auf die arbeit der “KA” aufmerksam geworden, da meine eigene künstlerische praxis einige elemente hat, die ich bei den “KA” auf eine art begründet fand, wie sie mir selbst zu dem zeitpunkt nicht klar gewesen ist.

    im grunde steht ein bestimmtes foto an jener schlüsselstelle, wo die “kollektiven aktionen” für mich bedeutung errangen. es ist das einer mächtigen diesellokomotive um schnee eines russischen winters.

    ich habe zwei verschiedene “losungen” von andrej monastyrskij und den “kollektiven aktionen” aufgegriffen, zitiert. eine in graz und eine in wien. die in wien übrigens in einem gemeinsamen auftritt mit dem “SPLITTERWERK”, einem grazer kollektiv, und ferner in einer kleinen session mit frank ablinger, der zum kern des wiener kollektivs “monochrom” angehört. [link]

    das als kleiner hinweis, wie sehr mich dieser modus kollektiver praktiken interessiert.

    ich habe es eigentlich nicht für machbar gehalten, die gruppe “kollektive aktionen” auf “meine strecke” zu bringen. daß es schließlich dennoch gelungen ist, verdanke ich wohl wesentlich der aufmerksamkeit von kuratorin sabine hänsgen, die selbst seit vielen jahren mitglied der “KA” ist, und kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov.

    – sabine hänsgen, sergej romashko und sergej letov –

    einige tage, bevor bekannt wurde, daß die “kollektiven aktionen” den russischen pavillon bei der kommenden biennale in venedig bespielen werden, waren hänsgen, sergej letov und sergej romashko in gleisdorf. das wurde — ganz unabnhängig von ihrem rang –, durch ihre persönlichkeiten, ihre kompetenzen und die art, wie wir jene tage mit einander verbrachten, zu einem markanten höhepunkt der “geschichte”, die ich hier nun seit jahren erzähle.

    das ist eine geschichte, die nicht von einem bestimmten kollektiv getragen wird, aber strikt von kollektiver arbeit. sie hat ihren beginn im jahr 2003, ihr ende ist vorerst nicht abzusehen.

    [the track: virtuosen der täuschung]

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  • auffassungen, kontraste

    Posted on Oktober 12th, 2010 der krusche 17 comments

    wir haben mit “kunst ost” nun eine mehrjährige kontinuität der arbeit in der region erreicht. (ich halte DAUER für einen wichtigen faktor.) dabei fällt mir im rückblick auf, daß sich debatten darüber, was denn nun KUNST sei, hier nicht etablieren lassen.

    selbst kleine serien wie die kühn annoncierten „KÜNSTLERGESPRÄCHE“ entfalten sich unter verzicht auf grundsatzfragen.

    es gibt einen kleinen, überschaubaren anteil von leuten, deren arbeit eine laufende befassung mit grundlagen der kunst erkennen läßt. unter denen sind auch gelegentlich erörterungen möglich, womit wir es denn da zu tun haben.

    der großteil jener, die mit künstlerischem tun öffentlichkeit suchen, damit auch finanzierungen aus öffentlicher hand erwarten, bleibt in diesen zusammenhängen abwesend.

    ich habe das nicht anzufechten, sondern bloß festzustellen, weil es orientierungsfragen klärt. dabei geht es um kulturpolitische agenda. was ist gemeint, wenn eine kommune mittel der kunst widmet? eine rhetorische frage, weil sie so praktisch in den amtsstuben nicht gestellt wird.

    es ereignet sich genau umgekehrt, wie ich kürzlich wieder einmal in einem entlegenen gemeindezentrum erfahren konnte. der bürgermeister nimmt als kunst zur kenntnis, was ihm als kunst vorgebracht wird.

    das ist keine schlechte position, denn ein orts-chef hat ja die anliegen seiner bürgerinnen und bürger zu moderieren und zu behandeln.

    das zeigt sich in der praxis etwa so, daß ein kreis kreativer zusammenfindet, von höchst unterschiedlichen intentionen getragen, mit dem gemeinsamen ziel, eine bühne betreten zu wollen. diese bühne muß errichtet und finanziert werden, muß promotet werden. da kommt die kommune in’s spiel, da kümmert sich der bürgermeister darum, daß dieses gemeinsame anliegen mehrerer leute nicht ins leere läuft.

    ich denke, dieser modus ist in der region dominant. und er ist legitim. kein einwand! das zu betreuen ist ein sozikulturelles geschäft. das hat sich praktisch auch als eine gewichtige tätigkeit von “kunst ost” herausgestellt, denn wir können nicht an den interessen der kreativen in der region vorbeiarbeiten.

    aber der kern unseres auftrages, der fokus unserer vereinbarungen enthält dennoch etwas ganz anderes; nämlich die konzentration auf bedingungen der GEGENWARTSKUNST.

    ist das verbindbar? selbstverständlich! deshalb sind die “vier genres” [link] formuliert. unsere jahrestätigkeit ist einem zusammenspiel dieser genres gewidmet. die stärkste position darin wird von jenen kunstschaffenden besetzt, welche sich eher nicht der gegenwartskunst und den diskursen über kunst zuwenden. das ist das feld der “voluntary arts”: [link]

    dieses genre wird beim kommenden “april-festival” wieder reichlich ereignisraum erhalten. der herbst ist freilich den fragen der KUNST gewidmet. heuer haben wir es über ein “reflexionsprojekt” von “kunst ost” eingelöst, das sich einer der weltweit bedeutendstens konzept-kunst-formationen widmet.

    drei mitglieder der “kollektiven aktionen” aus moskau waren bei uns, haben im rahemn des festivals “steirischer herbst” an einem projekt teilgenommen. (“the track: virtuosen der täuschung”)

    in den derzeit stattfinden “labor-übungen” verarbeiten wir unsere diesbezüglichen eindrücke, erfahrungen, debattieren wir die grundlagen, arbeiten wir heraus, was in diesem ereignis an impulsen für das eigene tun liegt.

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  • kultur und politik

    Posted on Oktober 7th, 2010 der krusche No comments

    es hat heuer einige unruhe gegeben. welche schwerpunkte solle kulturpolitik setzen? wer hat darüber zu verfügen? von wem möge festgelegt werden, wo es kulturpolitisch langgehe?

    ich betrachte es pragmatisch. es erscheint mir wünschenswert, daß kunstschaffende selbst starke impulse sertzen, auch gründe nennen, WARUM dieses und jenes erhöhrte priorität erhalten muß. die leute aus politik und verwaltung dürfen das keineswegs ignorieren, weil sie sonst einen großen teil ihrer legitimation verlören.

    zugleich muß klar sein, daß kommunen auch ihre „eigenanliegen“ haben, die zum gegenstand der kommunalpolitik werden. wir haben also unsere anliegen mit deren gremien zu verhandeln.

    größere gemeinden wie weiz und gleisdorf verfügen in der regel über fachausschüsse, die dem gemeinderat beratend zur seite stehen. es ist üblich, daß diesem „kulturausschuß“ die jeweiligen fachreferenten oder -referentinnen vorstehen.

    es ist ferner üblich, daß der gemeinderat sich auf die empfehlungen der fachausschüsse stützt, der bürgermeister die beschlüsse politisch verantwortet und die verwaltungsebene für adäquate umsetzung sorgt.

    politik und verwaltung sind komplementär angeordnet. wir haben in der region zwei durchaus dominante orte, weiz und gleisdorf, mit deren strukturen und ressourcen sich kleine gemeinden natürlich nicht messen können. das verleiht ihnen eine starke position, an der sich kleine kommunen gelegentlich stoßen.

    es gibt eine redensart, die passabel illustriert, was auf dem lande hierarchisch sache ist. wenn es unter leuten aus verschiedenen gemeinden zu auffassungsuntershieden kommt, kann es geschehen, daß einer fragt: „haben die überhaupt einen kirchturm?“

    „kunst ost“ war eben geladen, in mitterdorf bei der aktuellen LEADER-vorstandsklausur über den stand der arbeit zu berichten. dieser vorstand besteht aus den orts-chefs der region. dabei war nicht zu übersehen, daß unterschiedlicher status der gemeinden eine unterschiedliche position der bürgermeister und bürgermeisterinnen ergibt.

    in den kleinen gemeinden ist das kulturreferat gewöhnlich mit einer einzelnen person besetzt. kreative menschen scheint es wirklich überall zu geben. sie treten manchmal gemeinsam auf, um in einer gemeinde für etwas konzentriertere entwicklungen zu sorgen.

    so waren wir beispielsweise grade in gutenberg zu gast. das ist ein ort, den bürgermeister thomas wild eine „wolhngemeinde“ nennt. („wir haben kaum arbeitsplätze. die gemeinde selbst ist der größte arbeitgeber.“) dort tagte ein kulturausschuß, um planungsschritte für kommende kulturtage zu absolvieren.

    hier liegt also sehr viel mehr verantwortung bei den bürgerinnen und bürgern. in großen gemeinden gibt es dagegen zuständige büros, eben die verwaltungsebene. in weiz ist da der kulturbeauftragte georg köhler zuständig, in gleisdorf winfried kuckenberger, leiter des „büro für kultur und marketing“.

    wie erwähnt, diese fachleute haben die aufgabe, das umzusetzen, was die politik festlegt. der weizer kulturreferent christian faul hat eben als parlamentarier demissioniert, als schulleiter den ruhestand angestrebt, wird demnach wohl dem weizer kulturreferat nun mehr priorität einräumen. in gleisdorf hat alois reisenhofer, ebenfalls ein schuldirektor in pension, diese aufgabe übernommen.

    wie aber kommt es nun dazu, daß die politik anliegen der basis erfährt und bearbeitet? ich stelle fest, die „künstlergespräche“ nehmen zu. wir haben das vor jahren eingeführt und konsequent betrieben, andere einrichtungen nehmen sich dessen längst auch an.

    so fand in der oststeiermark erst kürzlich wieder ein groß angelegtes „künstlergespräch“ statt: „Am Nachmittag ab 16 Uhr sind die Künstler wieder gefragt: Sie treffen zu einem offenen Künstlergespräch im Schlosshof zusammen, um über ihre Wünsche, Erwartungen und Probleme zu sprechen und gemeinsame Lösungen zu finden.“ [quelle] [jogl-art]

    sie ahnen schon, nun wäre es auch wichtig, erstens eine resolution so einer veranstaltung zu publizieren und zweitens im ansatz zun klären, wer sich nun wie für die inhalte so einer resolution zuständig fühlt.

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  • auf der strecke

    Posted on Oktober 6th, 2010 der krusche No comments

    hier ist auf zeifache art von einer strecke („the track“) die rede. einerseits meint das die reale passage eines verbindungsweges, im abschnitt rund um gleisdorf vor allem eine bahnlinie. andrerseits eine spur, die gewissermaßen quer durch das 20. jahrhundert führt.

    von einem blick auf das 20. jahrhundert handelt das gedicht „noch immer“, das am anfang dieses abschnittes, auch: kapitels, steht: [link]

    das „kapitel“ mit dem titel „the track“ ist ein weiterer abschnitt im langjährigen projekt „the long distance howl“, für das mir vermutlich ein jahrzehnt nicht reichen wird.

    in diesem symbolischen markieren einer realen strecke durch anwesenheit, durch gesten, gelegentlich auch artefakte, vor allem aber durch kleine handlungen, wird „die strecke“, wird aber auch die ganze region zu einem raum der gegenwartskunst.

    – auf der strecke: die KA-künstler andrej letov und andrej romashko mit kuratorin mirjana peitler-selakov –

    das steht in einer tradition konzeptgestützter kunstformen. in diesem genre sind die von andrej monastyrskij gegründeten „kollektiven aktionen“ aus moskau eine der bedeutendsten formationen des 20. jahrhunderts. der „moskauer konzeptualismus“ zählt zu den wichtigsten erscheinungsformen dieses genres.

    vor wenigen tagen war ich mit einigen mitgliedern der „kollektiven aktionen“ („kollektivnye deystviya“) auf meiner strecke. das sind tage, in denen ich den meistern solcher verfahrensweisen über die schultern und auf die finger blicken durfte, in denen wir debatten geführt haben, aus denen ich viele anregungen bezogen hab.

    das war teil von „the track: virtuosen der täuschung“ (2. oktober 2010) als ein beitrag zum kunstfestival „steirischer herbst“. ein vorhaben, das ohne die mehrjährigen bemühungen von kuratorin mirjana peitler-selakov nicht zustande gekommen wäre.

    es ist durchaus ungewöhnlich, daß eine gruppe vom rang der „kollektiven aktionen“ sich auf so eine station einläßt. um die dimension zu illustrieren: im new yorker kunst-netzwerk „e-flux“ wurde am 4. oktober verlautbart, daß kurator boris groys den russischen pavillon bei der 54 biennale von vendig mit einem werk von andrej monastysrkij und den „kollektiven aktionen“ bespielen wird: [link]

    „the track: virtuosen der täuschung“ [link]

    „kollektiven aktionen“ [link]

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